In der grauen Vergangenheit wurde der Tierarzt nur bei Krankheiten und Problemen hinzugezogen, Heutzutage ist die Betriebsführung bei vielen Hengsthaltern und Gestüten so, daß ein Tierarzt konsultiert wird, um das Entstehen von Probleimen zu vermeiden. So haben die meisten großen Betriebe ihren festen Tierarzt. Dieser hat die Aufgabe, die Gesundheit des Hengstes und der Stute sowie die Qualität des Spermas der vor Ort stationierten Hengste zu überwachen. Auch werden die vor Ort angebotenen Stuten einer routinemäßigen Untersuchung unterzogen. Nochmals muß klargestellt werden, daß der Tierarzt, der für einen gynäkologischen Patienten konsultiert wird, seine Arbeit nur dann gut machen kann, wenn die Stuten auch abprobiert werden, und der Tierarzt die notwendigen Informationen erhält. (Zum Beispiel: wie eine Stute gefohlt hat, hat die Stute Probleme mit der Nachgeburt gehabt, wie alt ist die Stute, ist die Stute im letzten Jahr nicht gedeckt worden usw.) Ihr Tierarzt ist kein Abprobierhengst.
Die wichtigsten Instrumente eines Tierarztes sind noch immer seine Hände. Der Bau des Pferdes erlaubt es, daß der menschliche Arm und die menschliche Hand durch den Mastdarm des Pferdes nach innen gelangen können, und daß so die Geschlechtsorgane der Stute ertastet werden können. Außerdem kann durch Echographie (Ultraschall) ein Bild von den Geschlechtsorganen gemacht werden. Mit den erhaltenen Daten ist es möglich, sich ein Gesamtbild vom Stadium des Zyklusses oder dem Gesundheitszustand des Geschlechtsorgans zu machen. Achtung! Die Rektaluntersuchung der Stute ist dermaßen üblich, daß fast niemand mehr auf die Risiken achtet. Es ist überhaupt nicht ausgeschlossen, daß bei diesem Vorgang der Mastdarm des Pferdes beschädigt wird oder sogar reißt. Obwohl die Behandlungsmöglichkeiten derartiger Verletzungen heutzutage etwas besser sind als früher, hat ein solcher Patient keine so guten Heilungschancen. Deshalb ist es für die Sicherheit von Mensch und Tier wichtig, daß die Untersuchung unter optimalen Umständen stattfindet, d.H. in einer Untersuchungsbox in einer ruhigen Umgebung. Weniger sinnvoll hierzu ist ein Spannseil Durchaus gefährlich ist das Tasten ohne entsprechende Vorkehrungen.
Bei der rektalen Untersuchung wird zuerst die Gebärmutter gesucht und ihr gefolgt, und danach werden die Eierstöcke und der Gebärmuttermund untersucht. Die Eierstöcke werden auf Aktivität, auf die Anwesenheit eines Follikels sowie auf dessen Reife untersucht. Die Größe eines Follikels kann man mit der Hand schätzen oder echografisch messen. Die optimale Größe eines Follikels beträgt ca. zwischen 3 - 5 cm. Die Erfahrung lernt uns, daß kleine (kleiner als 2 cm) oder sehr große (größer als 8 cm) Follikel selten zu einer Trächtigkeit führen (nach Besamung oder Deckung) Die Weichheit eines Follikels gibt uns Auskunft über die Geschwindigkeit, mit der der Follikel ovuliert, z.B.:
Tierärzte haben oft ihren eigenen Code, um ihre Befunde zu notieren. Auch der Computer wird immer wichtiger. Die Gebärmutter kann Unterschiede in Größe, Form und Spannung (Tonus) aufweisen. Bei einer rossigen Stute ist die Gebärmutter optimal schlaff, also ziemlich forrnlos. Wenn das Pferd trächtig ist nimmt die Spannung zu (Gartenschlauch) und die Form der Gebärmutter verändert sich. Nach einigen Wochen kann man bei einem trächtigen Pferd auch eine Aushöhlung der Gebärmutter spüren. Echografisch kann man Auskunft über die Dicke der Gebärmutterwand, eventuelles Vorhandensein von Feuchtigkeit in der Wand und über den Inhalt der Gebärmutter erhalten.
Der Gebärmuttermund wird auf das Maß der Verschlaffung hin untersucht. bei einer nicht rossigen Stute ist der Gebärmuttermund fest und hart, genauso wie beim trächtigen Pferd (man spürt einen "Bleistift). Bei einer optimal rossigen Stute ist der Gebärmuttermund schlaff. Es ist sehr wichtig, daß die gewonnenen Informationen vom Abprobieren, von den Eierstöcken, von der Gebärmutter und dem Gebärmuttermund miteinander übereinstimmen, z.B. eine schon rossige Stute: viel trübes Urin, Follikel von 4 cm Größe, eine weiche, schlaffe Gebärmutter und ein schlapper Gebärmuttermund. Schlußfolgerung hieraus: heute decken. Handelt es sich um ein Pferd mit einem schönen Follikel, aber ist es nicht gut rossig, oder ist der Gebärmuttermund verschlossen: nicht decken!
Die Schamlippen werden darauf unter sucht, ob sie gut schließen (siehe unten). Eventuell kann man sich den Gebärmuttermund mittels eines Rohrspekulums und einer Lampe ansehen. Bei einem rossigen Pferd ist der Gebärmuttermund optimal entspannt, bei einem nicht rossigen Pferd sieht man ein Anspannung in Form einer Tülle. Man untersucht, ob in der Vagina Feuchtigkeit (Urin), eventuelle Entzündungserscheinungen, rötliche Färbung, eventuelle farblicher Ausfluß usw. vorhanden sind.
Wenn man den Verdacht hat, daß das Pferd eine Gebärmutterentzündung hat, kann man die Untersuchung mittels einer Schleimprobe ergänzen. Mit einem speziellen Apparat wird ein bißchen Schleim abgenommen, und ausdiesem Schleim versucht man, Bakterien zu züchten. Eine gesunde Gebärmutter sollte keine Bakterien oder sonstige Mikroorgansimen enthallen (ausgenommen in der Fohlenrosse). In dem Laboratorium kann man auch Auskunft über die Art der gefundenen Mikroorganismen und ihre eventuelle Empfindlichkeit auf Antibiotika geben. Dies ermöglicht eine gezielte Behandlung. Eine andere Methode ist, die Gebärmutter auf das Vorhanden sein von Entzündungszellen zu untersuchen. Eine gesunde Gebärmutter sollte keine Entzündungszellen enthalten. Von Stuten, die bereits mehrere Gebärmutterentzündungen gehabt hatten, kann man zusätzlich noch ein Stückchen Gewebe aus der Gebärmutterwand untersuchen (Bioptie). Das Bild, das dieses Gewebe (nach dein Einfärben) unter dein Mikroskop zeigt, kann Auskunft über den Ernst der Abweichungen und die Heilungschancen geben. (c.q. Trächtigkeit).
Die meisten Stuten worden untersucht, um einen Deck- oder Besamungsrat zu erhalten. Auch hier dürfen eventuell vorhandene Abweichungen nicht ignoriert wurden. Eine zweite Kategorie Stuten wird untersucht, weil sie tatsächlich Beschwerden haben. Die am häufigsten vorkommenden Beschwerden sind:
Eine große Anzahl dieser Beschwerden wird durch eine Gebärmutterentzündung verursacht. Weniger häufig trifft man auf Probleme an der Scheide, der Vulva und den Eierstöcken.
Gebärrnutterentzündungen können mit Antibiotika behandelt werden, und zwar durch Spülen. Manchmal wird diese Methode durch Injektionen ergänzt und in Einzelfällen wendet man auch ausschliesslich Injektionen an. Es ist durchaus empfehlenswert, gezielt züi behandeln, d.h. mit einem Antibiotikum, auf das der betreffende Mikroorganisrnus noch reagiert statt ziellos zu spulen und Spritzen zu geben. Wenn man ohne Empfindlichkeitstest behandelt, läuft man Gefahr, die Resistenz der Bakterien zu bewirken, wodurch man letztendlich Bakterien erhält, die nicht mehr zu bekämpfen sind. Auch hat man gute Ergebnisse mit oder durch Spülungen mit einer Lösung von Betadine-Jodium erzielt. Abhängig von dem gefundenen Krankheitserreger variieren die Heilungschancen von günstig bis sehr ungünstig z.B.:
Hormonpräparate werden auf unterschiedliche Art und Weise eingesetzt. Die Chirurgie nimmt einen sehr bescheidenen Platz bei der Bekämpfung von Sterilitätsbekämpfung ein. Öfters wird bei Stuten, von denen man vermutet, daß sie vaginal Luft ansaugen, die Scheide ein bißchen abgedichtet. Auch gibt es andere chirurgische Methoden, um dieser Qual entgegenzuwirken. Selten einmal trifft man Ausnahmefälle, wie z.B. einen Tumor auf den Eierstöcken, den man chirurgisch entfernen sollte.