Erkrankungen und Krankheiten
Wenn Ihre Stute im Mai noch nicht rossig geworden ist, oder wenn Ihre Stute schon zum dritten mal von der Deckung zurückkommt, oder wenn sie bereits 3 Wochen lang rossig ist, und der Hengst deckt sich dumm und dämlich, dann ist es vielleicht an der Zeit, einmal weiter zu schauen, als die Nase der Stute lang ist, und fachkundige Hilfe zu Rate zu ziehen.
In den letzten 20 Jahren hat die gynäkologische Untersuchung beim Pferd eine stürmische Entwicklung durchlaufen; unsere Leistungen werden nun auch in einem breiten Kreis akzeptiert, jedoch gibt es ab und zu noch ein gewisses Zögern, wenn es darum geht, die Hilfe eines Tierarztes für einen gynäkologischen Patienten in Anspruch zu nehmen.
Einige Ursachen hierfür sind z.B.:
- Ein gewisser gefühlsmäßiger Widerstand gegen die rektale Untersuchung (das Herumrühren in den Pferden, das kann doch nicht gut sein!).
- Auch sieht man einem Pferd mit Sterilitätsproblernen von Außen oft nichts an, also denkt man: keine Merkmale, somit auch nicht krank.
- Daneben können die Kosten einer gewissenhaft durchgeführten gynäkologischen Untersuchung (und eventuelle Behandlung) ganz schön hoch werden, erst recht, wenn man für eine Stute mehrere Besuche ansetzen muss, und diese Kosten sind natürlich für das beste Vollblut wie das kleinste Pony gleich
- Schließlich kann das tierärztliche Eingreifen die Chance auf eine Trächtigkeit lediglich vergrößern, niemand kann jedoch für den Erfolg garantieren. Enttäuschungen sind also nicht ausgeschlossen.
Ursachen für das Ausbleiben einer Trächtigkeit, die das Funktionieren des Hengstes oder das Management betreffen, sind bereits ausführlich behandelt worden. Nachfolgend werden einige Ursachen von Seiten der Stute aufgeführt. Es ist natürlich unmöglich, alle möglichen Probleme des weiblichen Geschlechtsapparates zu behandeln, somit werde ich mich auf die am häufigsten vorkommenden beschränken.
Anomalien an den Eierstöcken
Im Winter machen die meisten Stuten eine Periode von Inaktivität der Eierstöcke durch, die Eierstöcke sind dann klein und hart. Dies wird auch als WAO bezeichnet (wenig aktive Ovaria). Im Frühling setzt wieder Aktivität ein, aber meistens beginnt dies mit der Bildung von vielen kleinen Follikeln, dies bezeichnet man als MFO (multifollikuläre Ovaria), Stuten mit MFO sind oft sehr lange und nervend rossig, doch zum echten Eisprung kommt es nicht. Wenn man also durch eine rektale Untersuchung oder Echoskopie auf ein der artiges Bild stößt, dann ist das im Winter und im frühen Frühjahr normal. Ist dies im Mai der Fall, dann darf man von einem Problem Sprechen. Auf verschiedene Weisen kann man versuchen, die Tätigkeit der Eierstöcke hormonal zu beeinflussen, manchmal mit Erfolg. Ein bekanntes Problem ist auch da-, anhaltende Funktionieren der Schwangerschaftskörperchen (Corpus Luteum) mit der folge, daß das Pferd trotz follikulärer Aktivität nicht rossig wird. Es ist möglich, daß ein Schwangerschaftskörperchen. Weiterhin funktioniert, nachdem die Stute während einiger Zeit trächtig war, aber die kleine Frucht wieder abgestorben ist. Jedoch gibt es vielfach keine Erklärung für diese Erscheinung. Die Behandlung besteht aus einer Injektion mit Prostaglandinen "die Rossigkeitsspritze". In Einzelfällen trifft man auf Stuten mit sehr kleinen, harten Eierstöcken (Erbsen). Für diese Stuten ist Trächtigkeit praktisch ausgeschlossen. Seltenheiten sind auch Tumore und Zysten. Hormonproduzierende Tumore sorgen zuweilen dafür, daß die Stute ein extremes Verhalten zeigt.
Probleme der Gebärmutter
Die wichtigste Ursache von Fruchtbarkeitsproblemen bei Stuten ist eine Gebärmutterentzündung. Oft verläuft eine Gebärmutterentzündung relativ symptomlos. In Einzelfällen sieht man schon mal heftige Reaktionen (Ausfluss, das Pferd "schmiert"). Eine Gebärmutterentzündung wird praktisch immer durch Deckung oder Besamung verursacht. Jede Deckung oder Besamung, wie sorgfältig sie auch durchgeführt wird, bringt eine Anzahl von Bakterien in die Gebärmutter. Die Gebärmutter hat dagegen einen natürlichen Abwehrmechanismus, der am größten ist, wenn das Pferd optimal rossig ist. Manche Stuten sind jedoch noch empfindlicher. Ältere Stuten, Stuten, die nicht gut rossig sind (z.B. mit WAO) oder Stuten in der Fohlenrosse, die Probleme mit der Nachgeburt hatten, sind oft besonders empfindlich. Bei manchen Stuten scheint das daran zu liegen, daß sie aus ungeklärten Gründen besonders empfindlich sind. Wenn eine empfindliche Stute dann oft nach viel Mühe von der Gebärmutterentzündung genesen ist, wird empfohlen, diese Stute 3 bis 6 Stunden nach der Deckung mit einem Antibiotikum zur Verhütung von Infektionen nachzuspülen. Eine Gebärmutterentzündung kann durch wirklich krankheitserregende Bakterien verursacht werden, jedoch auch durch Bakterien, die normalerweise in der Umgebung des Pferdes zu finden sind, z.B. Bakterien aus dem Mist. Auch Schimmel und Hefe können Probleme hervorrufen. Wirkliche Problempferde sind diejenigen, bei denen sich nach der Bekämpfung von dem einen Mikroorganismus in der Gebärmutter der nächste schon wieder ankündigt. Bei älteren Stuten stößt man wohl hin und wieder auf Zysten (mit Feuchtigkeit gefüllte Bläschen) in der Gebärmutter aber handelt es sich dabei nur um einzelne, dann muss dies noch keine Behinderung für eine Trächtigkeit darstellen
Beschädigung des Gebärmuttermundes
Der Gebärmuttermund kann durch eine schwere Geburt beschädigt werden, jedoch auch durch eine Deckung, die nicht so leicht verläuft. Der Gebärmuttermund stellt die Grenze zwischen der nicht sterilen Scheide und der sterilen Gebärmutter dar. Eine Beschädigung verursacht dann auch eine größere Gefahr für Infektionen der Gebärmutter. Das schlechte Schließen des Gebärmuttermundes kann auch ein Abortus verursachen.
Probleme an der Scheide und Vulva
Ein häufig auftretendes Problem ist das Luftsaugen der Vulva. Die Vulva schließt nicht komplett ab, wodurch bei schnellen Bewegungen und Sprüngen besonders bei einer rossigen Stute. Ein schmatzendes Geräusch entsteht, das sogenannte "Floppen". Diese Luft in der Scheide verursacht Irritationen und eine Entzündung der Scheide. Diese Entzündung kann dann bis zum Gebärmuttermund und zur Gebärmutter hochwandern. Dieses Problem verursacht eine weitaus geringere Chance auf Trächtigkeit, aber auch bei Sportpferden ist es unerwünscht. Wenn es auch nicht wegen der geringeren Leistung ist so macht man doch seine Witze darüber. Ältere, dünne Pferde sind hierfür besonders anfällig, wobei es so aussieht, daß junge Vollblutpferde durch den schrägen Stand der Vulva ebenfalls dazu neigen. Die Behandlung ist operativ. Das zweite Problem ist das Vorhanden sein von Urin in der Scheide. Dieses trifft man vor allem bei alten, dünnen Pferden mit einer flachen Kreuzform an. Ein bisschen Urin sollte nicht gleich ein großes Problem darstellen, wenn mit der notwendigen Sorgfältigkeit gedeckt oder besamt wird (erst putzen). Im Ernstfall kann manchmal operativ eingegriffen werden. Ein Problem, wovon man oft erschreckt, sind Blutungen in der Vagina aufgrund geplatzter Adern (Varices). Dieses trifft man vor allein wieder bei älteren Pferden in der zweiten Hälfte der Trächtigkeit an. Meistens ist das nicht so schlimm. In Einzelfällen gibt es eine tatsächlich ernsthafte Blutung, und eine Bluttransfusion ist sogar notwendig. Die Behandlung kann im besten nach dem Abfohlen erfolgen, aber ab und zu auch davor, nämlich indem die Adern zugebrannt werden. Eine wirkliche Geschlechtserkrankung, die es in Holland gibt, ist das Coitalexantheem. Dieses wird durch einen Herpesvirus verursacht und durch die Deckung übertragen. Es verursacht eine ernsthafte Entzündung der Vulva bei der Stute und des Penis? beim Hengst. Am Anfang sieht man mit Feuchtigkeit gefüllte Bläschen, die aufplatzen und dann eine rote, schmerzhafte Entzündung zum Vorschein bringen, Diese Erkrankung ist sehr schmerzhaft aber heilt mit oder ohne Behandlung, sie hinterlässt jedoch oft kleine Narben weiße kleine Flecken auf der Vulva). Es spricht für sich, daß man einem Hengst oder einer Stute, die an dieser Erkrankung leiden, die Zeit gibt, wieder gesund zu werden, und daß man diese Tiere nicht decken lässt.
Letztendlich geben wir noch eine Übersicht von möglichen Ursachen der drei bekanntesten Beschwerden.
Die Stute wird nicht rossig:
- Die Stute ist bereits trächtig.
- Die Stute wird nicht gut abprobiert oder zeigt die Rossigkeit nicht gut.
- Die Stute wird zum falschen Zeitpunkt abprobiert.
- Die Ovaria der Stute sind noch nicht aktiv (WAO).
- Die Stute leidet in einer sehr ernsthaften Gebärmutterentzündung.
- Es befindet sich noch ein aktives Schwangerschaftskörperchen auf den Eierstöcken, da die Stute nur eine kurze Zeit trächtig war oder aufgrund anderer unbekannter Ursachen.
- Die Stute verfügt nicht über einen normal geformten Geschlechtsapparat
Die Stute wird rossig aber nicht trächtig (kommt immer wieder zurück)
- Die Stute leidet an einer sehr ernsthaften Gebärmutterentzündung.
- Die Stute wird zum falschen Zeitpunkt gedeckt.
- Die Stute bildet kein schöner Follikel. Die Stute saugt Luft an.
- Der Gebärmuttermund schließt unzureichend.
- Management und/oder Hengst? Diverse andere Ursachen.
Die Stute ist langfristig oder unregelmäßig rossig
- Gebärmutterentzündung
- Die Stute befindet sich in der Übergangszeit von der Winterruheperiode zur Fortpflanzungssaison (MFO).
Trächtigkeitsdiagnose
Das Feststellen einer Trächtigkeit geschieht am besten mit Hilfe von einer Echoskopie ca. 18 Tage nach der Deckung. Zu diesem Zeitpunkt kann man deutlich ein Fruchtbläschen sehen. Eine Wiederholung kann man am besten 25 Tage nach der Deckung durchzuführen, wenn man schon eine Frucht mit klopfendem Herz erkennen kann. Außerdem kann man durch Echoskopie prüfen, ob eine eventuelle Zwillingsträchtigkeit vorhanden ist. Dieses kann man am besten 14 à 15 Tage nach dem Eisprung machen, bevor sich die Früchte eingenistet haben. Eine Behandlung ist dann noch leicht durchführbar. Also, immer früh bei einem doppelten Eisprung prüfen. Mittels rektaler Untersuchung (abtasten) kann man ca. 3 Wochen nach dem Eisprung einen Hinweis auf das Vorhanden sein einer eventuellen Trächtigkeit erhalten (geänderte Form und Spannung der Gebärmutter). 4 à 5 Wochen nach der Deckung kann man ein Fruchtbläschen spüren, z.B. fünf Wochen Mandarinengröße, sechs Wochen Orangengröße. Außerdem sind sämtliche Labortest möglich, aber diese werden nur noch in speziellen Fällen durchgeführt, wenn eine rektale Untersuchung nicht möglich ist.
Zum Schluss
In Einzelfällen kommt es vor, daß die Stute nach der Deckung krank ist, und ab und zu kann das Fohlen auch krank werden. Im Falle der Stute denkt der Eigentümer oft an erster Stelle an eine Erkrankung des Geschlechtsapparates, was aber nur selten der Fall ist. Meistens handelt es sich um eine Erkrankung der Luftwege, welche die Stute während des Transportes zum Hengsthalter oder bei ihm vor Ort bekommen hat. Sogar auf einem Betrieb, in dem man alles Mögliche tut, welche Krankheitsvorbeugung betrifft, kann man nicht immer verhindern, daß Krankheiten auftreten. Es ist vor allem auch sehr wichtig, daß die zur Deckung angebotenen Stuten in jedem Fall gut geimpft werden, und daß man kranke Pferde zu Hause lässt.
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