| Einleitung
Von Kaninchen und Menschen ist bekannt, dass sich der weit größte Teil ohne medizinisches Eingreifen fortpflanzt. Wenn man die enorme Entwicklung betrachtet, welche die tierärztliche Begleitung von Zuchtstuten genommen hat, könnte man fast denken, dass kein Pferd mehr ohne Eingreifen eines Tierarztes tragend wird. Nichts ist jedoch weniger wahr. Aus der Geschichte ist zum Beispiel bekannt, dass die enormen Herden wilder Mustangs, die es bis heute in Amerika gibt, Nachkommen von nur wenigen ausgebrochenen Tieren sind, welche die Spanier bei der Eroberung von Mexiko mitgebracht hatten. Es kann also auch ohne Tierarzt gehen. Gründe, weswegen immer öfter ein Tierarzt konsultiert wird, ist sicher nicht das wohltätige Streben, meine Kollegen und mich zu beschäftigen. Aber, um nur einige Grunde zu nennen:
Für eine erfolgreiche Befruchtung braucht man drei Dinge:
Das letztere heißt, dass eine Deckung oder eine Künstliche Besamung mit einer ausreichend hohen Dosis Sperma zum optimalen Zeitpunkt durchgeführt werden muss, und das ist schon eine Kunst. Es ist die traurige Wahrheit, dass (genauso, wie in vielen menschlichen Kulturen) beim Ausbleiben einer Schwangerschaft bzw. Trächtigkeit das weibliche Tier die Schuld zugeschrieben bekommt. Hengsthalter gehen allzu oft von der Unfehlbarkeit ihres Hengstes oder der Richtigkeit ihrer Betriebsführung aus. Der Tierarzt wird dann auch meistens an erster Stelle für die Stute gerufen. Die Wahl des Hengstes wird fast nie aufgrund seiner Fruchtbarkeitsergebnisse getroffen. Die sportlich gesehen besten Hengste haben den meisten Erfolg. Und dann lässt die Verfügbarkeit und die Qualität des Spermas gelegentlich zu wünschen übrig. Die Lösung liegt auf der Hand. Nehmen Sie einen Hengst, der nicht so stark eingesetzt wird, oder der z. B. nicht so alt ist. Aber da haben Sie ja die freie Wahl. Zu diesem Thema kann ich Sie nicht beraten. Bezüglich Probleme Ihrer eigenen Stute kann ich auch nichts sagen, dafür haben Sie Ihren eigenen Tierarzt. Um so mehr habe ich Ihnen über das biologische Funktionieren Ihrer Stute oder des durch Sie ausgewählten Hengstes zu berichten, und was Sie diesbezüglich tun können, mit anderen Worten, das Management von Ihrer einzelnen Stute oder Ihres Gestüts. Und danach werde ich die Möglichkeiten und Beschränkungen des tierärztlichen Eingreifens näher beleuchten. Wir sind ja keine Wunderärzte. Wenn Sie ihr Pferd besser verstehen, können Sie selbst viel zum Erfolg Ihrer Zucht beitragen. Aus verschiedenen Gründen werden Zuchtstuten, die gedeckt werden sollen, vielfach routinemäßig durch einen Tierarzt untersucht. Der Tierarzt kommt also nicht mehr ausschließlich beim Ausbleiben einer Trächtigkeit. Die routinemäßige Untersuchung dient vornehmlich der Bestimmung des richtigen Moments für die Deckung und der Trächtigkeitskontrolle. Gute Gründe für eine routinemäßige Untersuchung sind z.B.;
Schlechte Gründe:
Und das ist dann schade. Kenntnis von Bau und Funktion des Geschlechtsapparates kann eine positive Wechselwirkung zwischen dem Eigentümer des Pferdes und dem Tierarzt bewirken. Obwohl die jetzt folgende Beschreibung sicher dem einen bekannt und für den anderen etwas schwierig oder zäh ist, will ich doch versuchen, über das Innenleben Ihre Stute zu schreiben. Die Geschlechtsorgane einer Stute bestehen aus (von innen nach außen):
Die Eierstöcke Die Eierstöcke formen die Eizellen. Im Ruhezustand haben sie die Größe einer Haselnuss bis hin zu einer Walnuss, aktive Eierstöcke können die Größe eines Tischtennisballes erreichen. Sie befinden sich links und rechts im Bauch, ungefähr auf der gleichen Höhe wie die Hüftknochen, der rechte etwas mehr nach vorne als der linke. Jede Stute wird mit einer bestimmten Anzahl von Zellen auf den Eierstöcken geboren, die zu einer reifen Eizelle heranwachsen können. Eine Eizelle ist mikroskopisch klein und ist nicht (echoskopisch) sichtbar zu machen oder rektal zu erfühlen. Eizellen reifen in einer kleinen feuchten Blase: Follikel genannt. Ein reifer Follikel kann eine Größe von 4 bis 5 cm erreichen und ist somit echoskopisch gut zu erkennen oder rektal zu erfühlen. Im Laufe des Reifungsprozesses wird der Follikel immer größer und weicher und platzt letztendlich, so dass sich die Eizelle einen Augenblick frei in der Bauchhöhle befindet, bevor sie durch den ersten trichterförmigen Teil des Eileiters (Tuba) aufgefangen wird. Während seiner Entwicklung produziert der Follikel Hormone, nämlich Östrogene! Dies ist das Hormon, das den Fortpflanzungstrieb hervorruft. Diese Östrogene verursachen die Rosse. Aus dem gesprungenen Follikel formt sich das sogenannte 'Corpus Luteum', auch das Gelbkörper oder Schwangerschaftskörper genannt. Dieses kann man nicht rektal erfühlen aber echografisch sichtbar machen, und es bildet das Hormon Progesteron. Progesteron ist das Schwangerschaftshormon und hält eine eventuelle Trächtigkeit aufrecht. Im Falle einer Trächtigkeit bleibt das Corpus Luteum intakt, bei Nichtträchtigkeit geht das Corpus Luteum ziemlich schnell wieder verloren. Die Eileiter Die Eileiter transportieren die befruchtete Eizelle zur Gebärmutter. Die Befruchtung findet meistens im ersten Teil des Eileiters statt. Nicht befruchtete Eizellen kommen nicht weiter als bis zum Eileiter. Die Eileiter sind rektal nicht zu erfühlen und sind bei Pferden selten der Grund für Unfruchtbarkeit. Die Gebärmutter Die Gebärmutter eines Pferdes besteht aus einem ziemlich kleinen Mittelteil (Corpus) und einem großen linken und einem rechten Horn. Die Gebärmutter ist mit einem Schleimfilm überzogen, der abhängig von der zyklischen Phase, in der sich das Pferd befindet mehr oder weniger durchblutet ist und mehr oder weniger Feuchtigkeit enthält (optimal rossig, viel Feuchtigkeit). In dieser Schleimschicht kann sich das Embryo einkapseln, und später wird hier die Verbindung zum Kreislauf des Embryos durch den Mutterkuchen hergestellt. Die Gebärmutter ist gut zu erfühlen und echografisch sichtbar zu machen, doch unterscheidet sie sich bei verschiedenen Stuten stark in Form und Spannung (Tonus), z. B.:
Gerade bei einem Pferd hat die Gebärmutter auffallend regenerierende Fähigkeiten so dass oft schon 10 Tage nach der Beendigung einer Trächtigkeit, eine neue Trächtigkeit in Gang gebracht werden kann (Fohlenrosse). Auch die Gebärmutter produziert ein Hormon, das Prostaglandine F2 alpha (hierfür gibt es keine andere Benennung). Dieses Hormon wird produziert, wenn das Pferd nicht trächtig ist und sorgt dafür, dass das Schwangerschaftskörper (Corpus Luteum) schrumpft und verschwindet. Der Muttermund Der Muttermund formt den Abschluss der Gebärmutter und stellt damit die Grenze zwischen dem sterilen Gebärmutter, (keine Bakterien) und dem nicht sterilen Vagina, einzelne Bakterien des Geschlechtsapparates dar. Der Muttermund ist bei einem rossigen Pferd schlaff und entspannt so daß Instrumente usw. einfach einzuführen sind. Bei einem nicht rossigen Pferd ist der Muttermund stramm und schnabelförmig. Bei Trächtigkeit ist der Muttermund geschlossen und in der letzten Phase der Trächtigkeit mit einem Schleimpfropfen verschlossen. Der Muttermund ist gut zu erfühlen und echoskopisch sichtbar zu machen. Außerdem kann man den Muttermund durch das Einführen eines Röhrchens (Speculum) in die Scheide und das Beleuchten mit einem Lämpchen untersuchen. Die Scheide Der hinterste Teil der Scheide verläuft schräg nach oben bis zum Rand des Beckens. In der untersten Wand der Scheide mündet auch die Harnröhre Am Rand des Beckens verläuft die Scheide mehr horizontal. Bei jungen Stuten befindet sich auf diesem Übergangsstück ein Jungfernhäutchen. In der Scheide darf sich bei einem gesunden Pferd keine Luft oder Urin befinden. Die Scheide ist rektal nicht zu erfühlen oder echoskopisch sichtbar zu machen. Jedoch kann das Innere mit Hilfe eines Röhrchen (Speculum) untersucht werden. Vulva Die äußerliche Geschlechtsöffnung wird durch die Schamlippen geformt. Diese müssen gut schließen. Nach dem Öffnen und dem anschließenden Loslassen soll die Vulva klatschend schließen. Der Zyklus Wie jeder weiß, ist Stute nicht gleich Stute. Sie ist meistens zu regelmäßigen Zeitpunkten rossig. Rosse ist ein Zustand, bei dem die Stute den Hengst zulässt. Dieses äußert sich sowohl in geistigen (Verhaltens) Merkmalen sowie auch in körperlichen Merkmalen. Hierüber später mehr. Die Paarungszeit des Pferdes ist im Frühling und im Sommer. Eine normale Stute ist während dieser Zeit darin auch meistens einmal alle drei Wochen rossig. Im Winter hat die Stute meistens, was die geschlechtliche Aktivität betrifft, eine Ruheperiode und zeigt öfters während einiger Monate keine Rossigkeit. Im frühen Frühling und im Herbst, also sowohl am Beginn als auch am Ende des Zyklus, kann die Stute öfters über einen langen Zeitraum und auch unregelmäßig oder gar nicht "schön" rossig sein. Die Fortpflanzungsaktivitäten von Säugetieren werden stark durch Hormone gesteuert. Dieses sind Stoffe, die u. a. durch Geschlechtsdrüsen und andere hormonproduzierende Drüsen im Körper gebildet werden. Danach werden sie durch das Blut transportiert und zeigen irgendwo anders im Körper ihre Auswirkungen. Sie haben also eine Botschaftsfunktion. Hypophyse Außer den Geschlechtsorganen selbst, die wichtige Produzenten von Hormonen sind, gibt es noch eine andere hormonproduzierende Drüse, die wichtig für die Fortpflanzung ist: die Hypophyse. Dieses ist eine kleine Drüse, die sich unterhalb des Gehirns befindet und die Hormone FSH und LH produziert (siehe weiter unten). Es gibt eine Verbindung zwischen dem Gehirn und der Hypophyse. Sinnes Wahrnehmungen, z. B. Licht, können ein Stimulans für die Hypophyse darstellen, Hormone zu produzieren. Hormone, die wichtig für die Fortpflanzung sind
Die hormonale Regulierung des Zyklus Es ist bei weitem noch nicht alles über dieses Thema bekannt. Dies ist ein ziemlich technisches Thema, ich will jedoch den Versuch unternehmen. Lassen Sie uns im Frühjahr beginnen. Die Tage werden länger, es wird wärmer, und das Gehirn gibt der Hypophyse Signale, mehr FSH zu produzieren. Die Eierstöcke werden aktiv und ein Follikel beginnt, sich zu entwickeln, worin dann eine Eizelle reift. Der Follikel produziert Östrogene, die für die Rosse sorgen. Bei ausreichend vorhandenen Östrogenen wird die Stute rossig. Körperliche Auswirkungen:
Auf hormonalem Niveau bremsen Östrogene die Produktion von FSH und stimulieren die Produktion von LH. Es wird mehr LH gebildet. Das LH stimuliert den Eisprung. Das Ei löst sich und wird durch die trichterförmige Öffnung des Eileiters (Tuba) aufgefangen. In diesem Moment kann die Befruchtung stattfinden. Nach dem Eisprung verschwindet das Rossigkeitsverhalten. Aus den Resten des Follikels wird durch den Einfluss von LH das Corpus Luteum produziert. Das Corpus Luteum produziert Progesteron. Progesteron hält die eventuelle Trächtigkeit aufrecht, und bremst die Produktion von LH. Solange Progesteron produziert wird, zeigt das Pferd also keine Rosse. Wenn keine Befruchtung stattgefunden hat und sich somit keine Frucht in der Gebärmutter befindet, wird die Gebärmutter das Hormon PGF2Alpha produzieren, ca. 14 -17 Tage nach dem Eisprung. Dieses wird das Schwangerschaftskörper schrumpfen lassen. Es wird also kein Progesteron mehr produziert, die Hypophyse fängt wieder an, FSH zu produzieren, und der ganze Zyklus kann wieder von vorne beginnen. Bei Trächtigkeit wird die Frucht durch den Körper erkannt und es wird kein PGF2Alpha in der Gebärmutter produziert. In der ersten Zeit wird die Trächtigkeit durch das Progesteron des Schwangerschaftskörper aufrecht erhalten. Später spielen auch andere Mechanismen eine Rolle. Sie verstehen es schon, kluge Pharmazeuten sind in der Lage gewesen, viele Hormone synthetisch zu produzieren oder zu isolieren. Diese können nach Bedarf eingesetzt werden, um die Fortpflanzung des Pferdes zu beeinflussen. Einige Beispiele:
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