Künstliche Besamung

Die Stute.

Einleitung

Von Kaninchen und Menschen ist bekannt, dass sich der weit größte Teil ohne medizinisches Eingreifen fortpflanzt. Wenn man die enorme Entwicklung betrachtet, welche die tierärztliche Begleitung von Zuchtstuten genommen hat, könnte man fast denken, dass kein Pferd mehr ohne Eingreifen eines Tierarztes tragend wird. Nichts ist jedoch weniger wahr. Aus der Geschichte ist zum Beispiel bekannt, dass die enormen Herden wilder Mustangs, die es bis heute in Amerika gibt, Nachkommen von nur wenigen ausgebrochenen Tieren sind, welche die Spanier bei der Eroberung von Mexiko mitgebracht hatten. Es kann also auch ohne Tierarzt gehen. Gründe, weswegen immer öfter ein Tierarzt konsultiert wird, ist sicher nicht das wohltätige Streben, meine Kollegen und mich zu beschäftigen. Aber, um nur einige Grunde zu nennen:

  • Sperma ist kostbar. Der weitaus größte Teil männlicher Pferde in Europa ist entweder Wallach oder wird nicht zur Zucht eingesetzt. Die übrigen Hengste müssen also zusammen viele Stuten bedienen. Da ein Hengst kein ewig strömender Hahn ist, ist Sperma somit knapp und kostbar.
  • Von der Natur sind wir weit entfernt. Die meisten Stuteneigentümer vertiefen sich nicht in das Seelenleben oder den Geschlechtsdrang ihrer Stuten, und gleichzeitig sind die Umstände, wie die Pferde gehalten werden, meist weit vom Natürlichen weg. Oft wird eine Stute bei dem Hengsthalter mit dem Kommentar abgesetzt: 'Sieh nur, dass du damit zurechtkommst" oder "Ruf mal an, wenn sie tragend ist". Das tut der Hengsthalter dann auch zusammen mit seinem Tierarzt. So kommt es ab und zu mal vor, dass eine Stute, die gedeckt werden soll, hochtragend ist aus einer Deckung der vorigen Saison.
  • Das kostet doch alles ganz schön viel Geld. Die Kosten, um eine Zuchtstute zu halten, und die Deckgelder werden immer ein bisschen höher, deshalb wird der Druck, eine gute "Leistung" zu bringen, immer größer. Zur Sicherheit wird deshalb immer öfter ein Tierarzt eingeschaltet, auf jeden Fall wird viel häufiger auf Trächtigkeit geprüft als noch vor ca. 10 Jahren.

Für eine erfolgreiche Befruchtung braucht man drei Dinge:

  • eine gesunde Stute,
  • einen gesunden Hengst
  • ein gutes Management.

Das letztere heißt, dass eine Deckung oder eine Künstliche Besamung mit einer ausreichend hohen Dosis Sperma zum optimalen Zeitpunkt durchgeführt werden muss, und das ist schon eine Kunst. Es ist die traurige Wahrheit, dass (genauso, wie in vielen menschlichen Kulturen) beim Ausbleiben einer Schwangerschaft bzw. Trächtigkeit das weibliche Tier die Schuld zugeschrieben bekommt. Hengsthalter gehen allzu oft von der Unfehlbarkeit ihres Hengstes oder der Richtigkeit ihrer Betriebsführung aus. Der Tierarzt wird dann auch meistens an erster Stelle für die Stute gerufen. Die Wahl des Hengstes wird fast nie aufgrund seiner Fruchtbarkeitsergebnisse getroffen. Die sportlich gesehen besten Hengste haben den meisten Erfolg. Und dann lässt die Verfügbarkeit und die Qualität des Spermas gelegentlich zu wünschen übrig. Die Lösung liegt auf der Hand. Nehmen Sie einen Hengst, der nicht so stark eingesetzt wird, oder der z. B. nicht so alt ist. Aber da haben Sie ja die freie Wahl. Zu diesem Thema kann ich Sie nicht beraten. Bezüglich Probleme Ihrer eigenen Stute kann ich auch nichts sagen, dafür haben Sie Ihren eigenen Tierarzt. Um so mehr habe ich Ihnen über das biologische Funktionieren Ihrer Stute oder des durch Sie ausgewählten Hengstes zu berichten, und was Sie diesbezüglich tun können, mit anderen Worten, das Management von Ihrer einzelnen Stute oder Ihres Gestüts. Und danach werde ich die Möglichkeiten und Beschränkungen des tierärztlichen Eingreifens näher beleuchten. Wir sind ja keine Wunderärzte. Wenn Sie ihr Pferd besser verstehen, können Sie selbst viel zum Erfolg Ihrer Zucht beitragen.

Die Stute

Aus verschiedenen Gründen werden Zuchtstuten, die gedeckt werden sollen, vielfach routinemäßig durch einen Tierarzt untersucht. Der Tierarzt kommt also nicht mehr ausschließlich beim Ausbleiben einer Trächtigkeit. Die routinemäßige Untersuchung dient vornehmlich der Bestimmung des richtigen Moments für die Deckung und der Trächtigkeitskontrolle.

Gute Gründe für eine routinemäßige Untersuchung sind z.B.;

  • den Hengst so wenig wie möglich zu beanspruchen;
  • so wenig Sperma wie möglich zu gebrauchen (Versand oder Gefriersperma),
  • die Stute so wenig wie möglich zu decken (lnfektionsgefahr).

Schlechte Gründe:

  • Der Hengsthalter ist zu beschäftigt.
  • Der Eigentümer der Stute hat keine Ahnung.
  • Niemand weiß, ob die Stute rossig ist noch weniger, wann sie gedeckt werden muss.
  • Laß es den Tierarzt einfach sagen! FALSCH.

Und das ist dann schade. Kenntnis von Bau und Funktion des Geschlechtsapparates kann eine positive Wechselwirkung zwischen dem Eigentümer des Pferdes und dem Tierarzt bewirken. Obwohl die jetzt folgende Beschreibung sicher dem einen bekannt und für den anderen etwas schwierig oder zäh ist, will ich doch versuchen, über das Innenleben Ihre Stute zu schreiben.

Anatomie der Stute

Die Geschlechtsorgane einer Stute bestehen aus (von innen nach außen):

  1. Die Eierstöcke (Ovaria),
  2. Die Eileiter (Salpinx),
  3. Gebärmutter links (Uterus),
  4. Gebärmutter rechts (Uterus),
  5. Muttermund (Cervix),
  6. Scheide (Vagina),
  7. Die äußere Geschlechtsöffnung (Vulva).

Die Eierstöcke

Die Eierstöcke formen die Eizellen. Im Ruhezustand haben sie die Größe einer Haselnuss bis hin zu einer Walnuss, aktive Eierstöcke können die Größe eines Tischtennisballes erreichen. Sie befinden sich links und rechts im Bauch, ungefähr auf der gleichen Höhe wie die Hüftknochen, der rechte etwas mehr nach vorne als der linke. Jede Stute wird mit einer bestimmten Anzahl von Zellen auf den Eierstöcken geboren, die zu einer reifen Eizelle heranwachsen können. Eine Eizelle ist mikroskopisch klein und ist nicht (echoskopisch) sichtbar zu machen oder rektal zu erfühlen. Eizellen reifen in einer kleinen feuchten Blase: Follikel genannt. Ein reifer Follikel kann eine Größe von 4 bis 5 cm erreichen und ist somit echoskopisch gut zu erkennen oder rektal zu erfühlen. Im Laufe des Reifungsprozesses wird der Follikel immer größer und weicher und platzt letztendlich, so dass sich die Eizelle einen Augenblick frei in der Bauchhöhle befindet, bevor sie durch den ersten trichterförmigen Teil des Eileiters (Tuba) aufgefangen wird. Während seiner Entwicklung produziert der Follikel Hormone, nämlich Östrogene! Dies ist das Hormon, das den Fortpflanzungstrieb hervorruft. Diese Östrogene verursachen die Rosse. Aus dem gesprungenen Follikel formt sich das sogenannte 'Corpus Luteum', auch das Gelbkörper oder Schwangerschaftskörper genannt. Dieses kann man nicht rektal erfühlen aber echografisch sichtbar machen, und es bildet das Hormon Progesteron. Progesteron ist das Schwangerschaftshormon und hält eine eventuelle Trächtigkeit aufrecht. Im Falle einer Trächtigkeit bleibt das Corpus Luteum intakt, bei Nichtträchtigkeit geht das Corpus Luteum ziemlich schnell wieder verloren.

Die Eileiter

Die Eileiter transportieren die befruchtete Eizelle zur Gebärmutter. Die Befruchtung findet meistens im ersten Teil des Eileiters statt. Nicht befruchtete Eizellen kommen nicht weiter als bis zum Eileiter. Die Eileiter sind rektal nicht zu erfühlen und sind bei Pferden selten der Grund für Unfruchtbarkeit.

Die Gebärmutter

Die Gebärmutter eines Pferdes besteht aus einem ziemlich kleinen Mittelteil (Corpus) und einem großen linken und einem rechten Horn. Die Gebärmutter ist mit einem Schleimfilm überzogen, der abhängig von der zyklischen Phase, in der sich das Pferd befindet mehr oder weniger durchblutet ist und mehr oder weniger Feuchtigkeit enthält (optimal rossig, viel Feuchtigkeit). In dieser Schleimschicht kann sich das Embryo einkapseln, und später wird hier die Verbindung zum Kreislauf des Embryos durch den Mutterkuchen hergestellt. Die Gebärmutter ist gut zu erfühlen und echografisch sichtbar zu machen, doch unterscheidet sie sich bei verschiedenen Stuten stark in Form und Spannung (Tonus), z. B.:

  • Junge dreijährige Stute noch nicht gedeckt, nicht rossig: Gebärmutter fingerdick, stramm, echoskopisch kein Inhalt.
  • 16jährige Stute, 10 Fohlen zur Welt gebracht in der Fohlenrosse: Gebärmutter hat die Dicke eines Oberschenkels, ist dick, steif, knetbar, mit Inhalt.

Gerade bei einem Pferd hat die Gebärmutter auffallend regenerierende Fähigkeiten so dass oft schon 10 Tage nach der Beendigung einer Trächtigkeit, eine neue Trächtigkeit in Gang gebracht werden kann (Fohlenrosse). Auch die Gebärmutter produziert ein Hormon, das Prostaglandine F2 alpha (hierfür gibt es keine andere Benennung). Dieses Hormon wird produziert, wenn das Pferd nicht trächtig ist und sorgt dafür, dass das Schwangerschaftskörper (Corpus Luteum) schrumpft und verschwindet.

Der Muttermund

Der Muttermund formt den Abschluss der Gebärmutter und stellt damit die Grenze zwischen dem sterilen Gebärmutter, (keine Bakterien) und dem nicht sterilen Vagina, einzelne Bakterien des Geschlechtsapparates dar. Der Muttermund ist bei einem rossigen Pferd schlaff und entspannt so daß Instrumente usw. einfach einzuführen sind. Bei einem nicht rossigen Pferd ist der Muttermund stramm und schnabelförmig. Bei Trächtigkeit ist der Muttermund geschlossen und in der letzten Phase der Trächtigkeit mit einem Schleimpfropfen verschlossen. Der Muttermund ist gut zu erfühlen und echoskopisch sichtbar zu machen. Außerdem kann man den Muttermund durch das Einführen eines Röhrchens (Speculum) in die Scheide und das Beleuchten mit einem Lämpchen untersuchen.

Die Scheide

Der hinterste Teil der Scheide verläuft schräg nach oben bis zum Rand des Beckens. In der untersten Wand der Scheide mündet auch die Harnröhre Am Rand des Beckens verläuft die Scheide mehr horizontal. Bei jungen Stuten befindet sich auf diesem Übergangsstück ein Jungfernhäutchen. In der Scheide darf sich bei einem gesunden Pferd keine Luft oder Urin befinden. Die Scheide ist rektal nicht zu erfühlen oder echoskopisch sichtbar zu machen. Jedoch kann das Innere mit Hilfe eines Röhrchen (Speculum) untersucht werden.

Vulva

Die äußerliche Geschlechtsöffnung wird durch die Schamlippen geformt. Diese müssen gut schließen. Nach dem Öffnen und dem anschließenden Loslassen soll die Vulva klatschend schließen.

Der Zyklus

Wie jeder weiß, ist Stute nicht gleich Stute. Sie ist meistens zu regelmäßigen Zeitpunkten rossig. Rosse ist ein Zustand, bei dem die Stute den Hengst zulässt. Dieses äußert sich sowohl in geistigen (Verhaltens) Merkmalen sowie auch in körperlichen Merkmalen. Hierüber später mehr. Die Paarungszeit des Pferdes ist im Frühling und im Sommer. Eine normale Stute ist während dieser Zeit darin auch meistens einmal alle drei Wochen rossig. Im Winter hat die Stute meistens, was die geschlechtliche Aktivität betrifft, eine Ruheperiode und zeigt öfters während einiger Monate keine Rossigkeit. Im frühen Frühling und im Herbst, also sowohl am Beginn als auch am Ende des Zyklus, kann die Stute öfters über einen langen Zeitraum und auch unregelmäßig oder gar nicht "schön" rossig sein.

Hormone

Die Fortpflanzungsaktivitäten von Säugetieren werden stark durch Hormone gesteuert. Dieses sind Stoffe, die u. a. durch Geschlechtsdrüsen und andere hormonproduzierende Drüsen im Körper gebildet werden. Danach werden sie durch das Blut transportiert und zeigen irgendwo anders im Körper ihre Auswirkungen. Sie haben also eine Botschaftsfunktion.

Hypophyse

Außer den Geschlechtsorganen selbst, die wichtige Produzenten von Hormonen sind, gibt es noch eine andere hormonproduzierende Drüse, die wichtig für die Fortpflanzung ist: die Hypophyse. Dieses ist eine kleine Drüse, die sich unterhalb des Gehirns befindet und die Hormone FSH und LH produziert (siehe weiter unten). Es gibt eine Verbindung zwischen dem Gehirn und der Hypophyse. Sinnes Wahrnehmungen, z. B. Licht, können ein Stimulans für die Hypophyse darstellen, Hormone zu produzieren.

Hormone, die wichtig für die Fortpflanzung sind

  • FSH. Follikelstimulierendes Hormon. Stimuliert die Produktion und das Wachstum eines Follikels (eine kleine, innen feuchte Blase, worin die Eizelle wächst).
  • LH. Luteinisierendes Hormon (Zwischenzellstimulierendes Hormon). Stimuliert die Produktion des Schwangerschaftskörperchens (Corpus Luteurn) aus dem Follikel.
  • Progesteron. Wird durch das Corpus Luteurn gebildet und hält die Trächtigkeit aufrecht.
  • Östrogene. Werden durch die Follikel produziert und verursachen die Rosse.
  • Prostaglandine F2Alpha. Wird durch die Gebärmutter produziert, wenn keine Trächtigkeit aufgetreten ist.
  • PGF2Alpha sorgt für das Schrumpfen des Schwangerschaftskörper.

Die hormonale Regulierung des Zyklus

Es ist bei weitem noch nicht alles über dieses Thema bekannt. Dies ist ein ziemlich technisches Thema, ich will jedoch den Versuch unternehmen. Lassen Sie uns im Frühjahr beginnen. Die Tage werden länger, es wird wärmer, und das Gehirn gibt der Hypophyse Signale, mehr FSH zu produzieren. Die Eierstöcke werden aktiv und ein Follikel beginnt, sich zu entwickeln, worin dann eine Eizelle reift. Der Follikel produziert Östrogene, die für die Rosse sorgen. Bei ausreichend vorhandenen Östrogenen wird die Stute rossig. Körperliche Auswirkungen:

  • Schwellung der Vulva
  • Schleimbildung
  • Öffnung des Muttermunds
  • Schwellung der Gebärmutterschleimhaut.

Auf hormonalem Niveau bremsen Östrogene die Produktion von FSH und stimulieren die Produktion von LH. Es wird mehr LH gebildet. Das LH stimuliert den Eisprung. Das Ei löst sich und wird durch die trichterförmige Öffnung des Eileiters (Tuba) aufgefangen. In diesem Moment kann die Befruchtung stattfinden. Nach dem Eisprung verschwindet das Rossigkeitsverhalten. Aus den Resten des Follikels wird durch den Einfluss von LH das Corpus Luteum produziert. Das Corpus Luteum produziert Progesteron. Progesteron hält die eventuelle Trächtigkeit aufrecht, und bremst die Produktion von LH. Solange Progesteron produziert wird, zeigt das Pferd also keine Rosse. Wenn keine Befruchtung stattgefunden hat und sich somit keine Frucht in der Gebärmutter befindet, wird die Gebärmutter das Hormon PGF2Alpha produzieren, ca. 14 -17 Tage nach dem Eisprung. Dieses wird das Schwangerschaftskörper schrumpfen lassen. Es wird also kein Progesteron mehr produziert, die Hypophyse fängt wieder an, FSH zu produzieren, und der ganze Zyklus kann wieder von vorne beginnen. Bei Trächtigkeit wird die Frucht durch den Körper erkannt und es wird kein PGF2Alpha in der Gebärmutter produziert. In der ersten Zeit wird die Trächtigkeit durch das Progesteron des Schwangerschaftskörper aufrecht erhalten. Später spielen auch andere Mechanismen eine Rolle.

Pharmazeutik

Sie verstehen es schon, kluge Pharmazeuten sind in der Lage gewesen, viele Hormone synthetisch zu produzieren oder zu isolieren. Diese können nach Bedarf eingesetzt werden, um die Fortpflanzung des Pferdes zu beeinflussen. Einige Beispiele:

  • LH/FSH. Wird aus dem Urin schwangerer Frauen isoliert. Mittels der Aktion "Mutter für Mutter", die in diesem Fall also besser "Mutter für Stute "heißen könnte, wird der Urin gesammelt.
  • Progesteron. Wird aus dem Blut trächtiger Ponies/Pferde isoliert.
  • Progesteronartige Stoffe. ("Die Pille") Östrogene und Prostaglandinen werden synthetisch hergestellt. Mit Hilfe dieser Stoffe ist man in der Lage, den Zyklus der Stute auf fast jeder Ebene zu beeinflussen.
  • Öfters jedoch ist eine Störung dieses Zyklus nicht auf hormonale Probleme zurückzuführen. Ein bekanntes Beispiel ist ein Pferd mit einer schweren Gebärmutterentzündung. So ein Pferd kann eine gestörte Produktion von PGF2Alpha haben, wodurch das Pferd viel zu schnell wieder rossig werden kann, oder im Gegenteil, überhaupt nicht mehr rossig wird. Nicht das überhöhte Vorhandensein oder Fehlen von PGF2Alpha ist die Ursache des unregelmäßigen Zyklus, sondern eine Gebärmutterentzündung.

Begleitung der Stute

Es ist sinnvoll, die Stute gegen Influenza und Tetanus impfen zu lassen, erst recht, wenn sie auf eine Deckstation geht, denn wenn von verschiedenen Orten Pferde zusammen-kommen, ist das Risiko einer eventuellen Erkältung größer. Zuerst einmal müssen die Stutenhalter dafür Sorge tragen, dass sie eine gesunde Stute für die Deckung anbieten. Das bedeutet, dass nicht allein die Allgemeinverfassung und der Gesundheitszustand der Stute gut sein müssen, sondern auch der Geschlechtsapparat der Stute muss in guter Verfassung sein, um die größtmögliche Aussicht auf Trächtigkeit nach der Besamung/natürlichen Deckung zu haben. Stuten, die nicht rossig geworden sind, müssen genau untersucht werden, bevor sie zur Deckung angeboten werden. Wussten Sie eigentlich, dass Sie sich strafbar machen, wenn Sie eine Stute mit einer Geschlechtskrankheit anbieten und der Hengst andere Stuten ansteckt? Weiter ist es bei Fohlenstuten wichtig zu wissen, wie das Abfohlen verlaufen ist, und wie lange sie die Nachgeburt im Körper gehabt haben. Ca. 30% der Friesenstuten behält nach dem Abfohlen die Nachgeburt zu lange. Dann macht es Sinn, schon früh (2 Stunden nach dem Abfohlen) den Tierarzt darum zu bitten, der Stute ein Mittel zu spritzen, das die Gebärmutter zusammenzieht (Oxytocine). Wenn die Nachgeburt nach 6 Stunden richtig abgeschält werden muss, dann ist es nötig, die Gebärmutter einige Tage zu spülen, Antibiotika und Oxytocine zu geben, so dass sich die Gebärmutter wieder schnell regenerieren kann. Wenn die Stute länger als 6 Stunden die Nachgeburt behalten hat, oder wenn sie älter als 12 Jahre ist, dann ist es nicht sinnvoll, schon in der Fohlenrosse zu decken. Die Gebärmutter hat dann zu wenig Zeit gehabt, um sich wiederherzustellen.

Bestimmung des optimalen Deckzeitpunktes

Das Bestimmen des richtigen Besamungs-/Deckzeitpunktes kann am besten anhand der Follikelkontrolle erfolgen. Eine optimal rossige Stute wird beim Hengst stehen bleiben, wenn er ihre Flanken beschnüffelt, sich zum ihm hinbiegen, blitzen und eine große Menge von meistens trübem Urin ablassen. Es ist schon möglich, dass eine Stute, die optimal rossig ist keine deutlichen Rossigkeitserscheinungen zeigt, z.B.

  • wenn sie Angst hat (junge Stute)
  • oder wenn sie ihr Fohlen beschützen will.

Der Tierarzt, der die Follikolkontrolle durchführt, erfühlt;

  • ob ein großes Eibläschen (Pre-Ovulatoire-follikel) auf dem Eierstock (Ovarium) sitzt
  • ob sich dieses weich anfühlt
  • ob die Gebärmutter (Uterus) und der Gebärmuttermund (Cervix) schlaff ist, denn das ist der optimale Moment für die Besamung.
  • Auch kann mit Hilfe eines Scanners (Echo) noch nachgesehen werden, wie groß das Eibläschen genau ist,
  • ob mehr als ein großes Eibläschen vorhanden ist,
  • und ob keine Feuchtigkeit in der Gebärmutter ist.

Wenn die Stute dann besamt wird (mit minimal 300 Millionen TNB), dann wird nach 24 Stunden (beim Gebrauch von Gefriersperma, da dies eine kürzere Lebensdauer hat) oder nach 48 Stunden (frisches Sperma) kontrolliert, ob der Eisprung (Ovulatie) stattgefunden hat. Ist dies nicht der Fall, dann muss die Stute noch einmal besamt werden. Es ist so, dass per Zyklus nicht zu oft besamt/gedeckt werde sollte, nicht allein, weil dann der Hengst viel zu tun hat, sondern auch, weil die Gebärmutter dieses "fremde" Material (Sperma) erst verarbeiten muss. Die Gebärmutter reagiert hierauf mit Feuchtigkeitsproduktion, und es tritt eine Aufräumreaktion durch weiße Blutzellen für das fremde Material auf. Eine oft gehörte Bemerkung ist, dass Stuten gegen Spermaverdünner allergisch sein sollen. Aus Untersuchungen hat sich jedoch ergeben, dass die Gebärmutter der Stute genauso stark auf unverdünntes wie auf verdünntes Sperma reagiert. Auch findet bei der Kontrolle des Eisprungs eine Untersuchung statt, ob mehr als ein Eibläschen gesprungen ist wodurch wir, wenn die Stute trächtig wird, eine gewisse Möglichkeit auf einen Zwilling haben.

Trächtigkeitsuntersuchung

Wenn die Stute einen einfachen Eisprung gehabt hat, können wir ca. 18 Tage danach kontrollieren, ob sie trächtig ist. Sollte sie nicht trächtig sein, dann wird sie schon wieder beginnen, rossig zu sein. Hat sie jedoch einen doppelten Eisprung gehabt, dann ist es nötig, am 16. Tag nach dem Eisprung die Stute scannen zu lassen, um zu sehen, ob sie trächtig ist. Zu diesem Zeitpunkt haben sich die Embryos noch nicht in der Gebärmutter eingenistet, und es ist bequemer, sie dort zu entfernen. Von Nachteil ist jedoch, wenn die Stute (meistens etwas ältere) auch noch Zysten (Feuchtigkeits-bläschen) in der Gebärmutter hat, denn dann kann das zum Zeitpunkt der Trächtigkeit leicht mit einer Fruchtblase verwechselt werden. Wenn die Früchte bereits eingenistet dicht beieinander sitzen, dann ist es schwierig, eine zu entfernen, ohne die andere zu beschädigen. Eine eventuelle Lösung ist, sollte eine Zwillingsträchtigkeit zu einem etwas späteren Stadium entdeckt werden und sie liegen dicht nebeneinander, die Zwillingspunktion durchzuführen, wobei das Fruchtwasser aus einem Bläschen weggezogen wird und der Embryo abstirbt. Ist die Stute sofort trächtig, dann können wir, falls zwischen Tag 25 und 30 die zweite Trächtigkeitskontrolle stattfindet, das Herz klopfen sehen. Dieser Zeitpunkt der Kontrolle ist wichtig, weil in dieser Periode manchmal ein frühzeitiges Absterben des Embryos auftritt (früh-embryonales Sterben VES). Nach ungefähr 6 Wochen kann die Stute noch einmal kontrolliert werden, da nach 35 Tagen durch andere Hormone die Trächtigkeit erhalten wird. In seltenen Fällen können jetzt noch Probleme auftreten, wodurch dieses früh-embryonale Sterben auftritt.
Nach rund 3 bis 4 Monaten kann kontrolliert werden, ob die Stute noch immer trächtig ist, so dass man bzgl. des Fütterns und Arbeitens die Trächtigkeit berücksichtigen kann. Es kommt manchmal vor, dass, wenn die Stute gerade trächtig ist man sie zu einem Trainer bringt, um sie ausbilden zu lassen oder für die Körung vorzubereiten. Dieses kann schon mal Stress bei der Stute verursachen, wodurch das frühe embryonale Sterben auftreten kann. Generell ist es jedoch kein Problem, mit einer trächtigen Stute zu arbeiten.

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